Melatonin ist ein Hormon, das primär in der Zirbeldrüse (Epiphyse) produziert wird und dem Körper als Zeitgeber dient. Es signalisiert nicht direkt den Schlaf, sondern die biologische Dunkelheit -- den Zeitraum, in dem der Körper für Schlaf bereit ist. Die Produktion folgt einem zirkadianen Muster: Sie steigt abends an, erreicht zwischen 2 und 4 Uhr morgens ihren Höhepunkt und fällt morgens wieder ab. Licht auf der Netzhaut, insbesondere kurzwelliges blaues Licht, unterdrückt die Melatoninproduktion direkt über den retinohypothalamischen Trakt.
Die Meta-Analyse von Ferracioli-Oda et al. (2013) mit 1.683 Teilnehmern zeigte, dass exogenes Melatonin die Einschlaflatenz um durchschnittlich 7,06 Minuten reduziert und die Gesamtschlafzeit um 8,25 Minuten erhöht. Diese Effekte sind statistisch signifikant, aber klinisch moderat. Melatonin ist kein Schlafmittel im klassischen Sinne -- es erzwingt keinen Schlaf, sondern verschiebt das Zeitfenster der Schlafbereitschaft. Besonders wirksam ist es bei verzögertem Schlaf-Wach-Rhythmus (Delayed Sleep Phase Disorder) und bei Jetlag.
Paradoxerweise zeigen niedrigere Dosen (0,3-0,5 mg) oft bessere Ergebnisse als die handelsüblichen hohen Dosen (3-10 mg). Physiologische Dosen erreichen Plasmaspiegel, die den natürlichen nächtlichen Konzentrationen entsprechen, während supraphysiologische Dosen den Melatoninrezeptor desensibilisieren können. Das Timing ist entscheidender als die Dosis: Die Einnahme sollte 1-2 Stunden vor der gewünschten Schlafenszeit erfolgen, idealerweise synchron mit dem natürlichen Dim Light Melatonin Onset (DLMO).
Statt zur Supplementierung zu greifen, lässt sich die endogene Melatoninproduktion durch einfache Maßnahmen optimieren. Helles Tageslicht am Morgen (mindestens 10.000 Lux für 20-30 Minuten) stärkt den zirkadianen Rhythmus und sorgt für einen robusten abendlichen Melatoninanstieg. Abendliche Lichtreduktion durch gedimmtes, warmweißes Licht unterstützt den natürlichen Produktionsbeginn. Regelmäßige Schlafenszeiten synchronisieren die Melatoninausschüttung mit dem gewünschten Schlaffenster.
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Zuletzt wissenschaftlich überprüft: 14.04.2026